Sich Zeit nehmen… von Alois Suter

Sich Zeit nehmen…

von Alois Suter, Februar 2020

Seit ich pensioniert bin, nehme ich mir, wenn immer möglich, jeden Tag Zeit für einen gemütlichen Spaziergang. Dabei kann ich mich erholen und abschalten. Ich freue mich an der Natur. Als Bauernsohn interessiert es mich, was auf den Feldern angepflanzt wird, wächst und wie es gedeiht. Ich versuche zu erraten, was aus den frisch spriessenden Pflänzchen wachsen wird. Ich schaue den kreisenden Milanen zu oder wie auf einem frisch gepflügten Acker eine Schar Störche Würmer suchen. Ich geniesse auf einer Bank das Murmeln des Bächleins, kann etwas lesen, über den Sinn des Lebens nachdenken, so richtig ausspannen oder Gedanken für einen Vortrag sammeln.

2020-02-10 Sich Zeit nehmen…Vortrag von Alois Suter 2020

 


 

Sich Zeit nehmen… von Alois Suter

Jahrring reiht sich an Jahrring – von Alois Suter

Jahrring reiht sich an Jahrring

von Alois Suter, März 2013

 

Bei einem gemütlichen Waldspaziergang bin ich zufällig an
gefällten Tannen und Holzbeigen vorbeigekommen. Überall
lagen noch Späne, Äste und Sägemehl. Aber schon lange
vorher habe ich den würzigen Geruch von frisch gesägtem Holz
wahrgenommen. Da fällt das Licht gerade auf eine gefällte
Tanne. Ich muss stehen bleiben.

Die durchsägte Schnittfläche zieht mich in ihren Bann…

So wie der Baum in wachsenden Ringen grösser und stärker
wird, so ist es auch bei uns Menschen.

Auch wir leben in wachsenden Ringen. Vieles wiederholt sich,
kommt wieder…

… wer weiss, wie oft sich bei uns noch Jahrring an
Jahrring reiht!

Mögen uns die kommenden Jahre viele frohe und beglückende
Stunden, erbauende und gefreute Tage schenken.
All das Schöne, die Freude und das Glück, das wir noch erleben
dürfen, schenken uns Lebenskraft und Zuversicht für die
Zukunft.
Nutzen wir die uns verbleibende Zeit für Aktivitäten, die uns am
Herzen liegen.
Oft sind es ja die letzten Lebensjahre, die uns mit
einschneidenden Ereignissen ganz besonders fordern.

Jahrring reiht sich an Jahrring – Vortrag von Alois Suter 2013

 


 

Jahrring reiht sich an Jahrring – von Alois Suter

Befreiung von Auschwitz-Birkenau vor 75 Jahren – Gedanken von Heinz Müller

Ich glaube an das Gute im Menschen

Befreiung von Auschwitz-Birkenau vor 75 Jahren

Gedanken von Heinz Müller

Der 27. Januar ist für mich ein ganz besonderer Tag, denn an diesem Tag wurde das Konzentrationslager Auschwitz befreit, und dies jährt sich nun zum 75. Mal. In diesem Lager ist auch ein Teil meiner Familie umgekommen. Dieses Datum wurde auch zum weltweiten Holocaustgedenktag erkoren.

Dass ich heute vor euch stehen kann, habe ich einem mutigen Menschen zu verdanken, dem St. Galler Polizeihauptmann Grüninger, der das Datum der illegalen Flucht in die Schweiz 1939, meiner Eltern und mir, gefälscht hatte, und so den Grundstein unserer Rettung gelegt hat. Weitere, unwahrscheinlich glückliche Umstände haben dazu beigetragen, dass ich mit meinen Eltern von den eidgenössischen Behörden nicht ausgewiesen wurde, und somit verhindert, dass wir in den Fängen der Nazis landeten.

Ich glaube an das Gute im Menschen von Heinz Müller 20. Januar 2020

Einreise-Antrag von Familie Müller – Januar 1939 (PDF Kopie)

 


 

Befreiung von Auschwitz-Birkenau vor 75 Jahren – Gedanken von Heinz Müller

GEDANKEN ZUM JAHRESTHEMA VON OM THOMAS BENZ

GEDANKEN ZUM JAHRESTHEMA VON OM THOMAS BENZ – 13. Januar 2020

Freuen wir uns auf unser Jahresthema 2020 «Zuversicht», mit vielen verschiedenen
Auffassungen und Gedanken zur Zuversicht, mit unterschiedlichen Vorträgen, beleuchtet
von allen möglichen Seiten.

Unser Motto im 2020:
Akzeptieren wir was ist
Lassen wir los was war
und Glauben wir daran, was kommt.

Euer zuversichtlicher Obermeister Thomas

GEDANKEN ZUM JAHRESTHEMA ZUVERSICHT VON OM LOGE 11


 

GEDANKEN ZUM JAHRESTHEMA VON OM THOMAS BENZ

Augenblicke sinnlicher Genialität

Zeitschrift des Ordens der Schweizerischen Odd Fellows

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Odd Fellows Zeitschrift Nr. 6 November / Dezember 2019

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Augenblicke sinnlicher Genialität / von Uwe Guntern

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Von Philosophen erwartete man eine kurze und trockene Definition des Augenblicks, die uns darauf hinweist, dass der Augenblick die kürzeste mögliche Zeiteinheit ist. Doch das wäre, gerade in philosophischem Sinn, nur an der Oberfläche gekratzt. Denn es gibt nahezu keinen Philosophen, der sich ein so vielschichtiges und tiefgründiges Thema hätte entgehen lassen.

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lm Folgenden wollen wir uns auf den Dänen Søren Kierkegaard beschränken, dessen Beschäftigung mit dem Augenblick und in diesem Zusammenhang mit der Zeit
selbst keinen geringen Einfluss auf die Philosophie gehabt hat und noch immer hat.
lm historischen Wörterbuch der Philosophie steht unter dem Artikel Augenblick:
Als Augenblick oder das Plötzliche bezeichnet Platon im Parmenides jenes Wunderliche,
worin das Eine von Bewegung in Ruhe und von Ruhe in Bewegung umschlägt so wie überhaupt alle Veränderungen erleidet, auch den Übergang von Sein zu Nichtsein
oder von Nichtsein zu Sein.  Wunderlich ist dieser Augenblick, weil er, zwischen Bewegung und Ruhe befindlich, keiner Zeit angehört und weil das Eine in ihm weder
sich bewegt noch ruht, weder ist noch nicht ist.

 
Von hier aus entwickelt Søren Kierkegaard im „Begriff Angst“ seine Theorie des Augenblicks. Doch lassen wir erst einmal Kierkegaard selbst zu Wort kommen:

 
Der Augenblick ist ein bildhafter Ausdruck, und es lässt sich daher so leicht nicht damit umgehen. Doch ist es ein schönes Wort, wohl wert, darauf zu,achten. Nichts ist so schnell wie der Blick des Auges, und doch ist er kommensurabel für den Gehalt des Ewigen. Wenn lngeborg über das Meer nach Frithjof ausschaut, so rst das ein Bild dafür, was das bildliche Wort bedeutet. Ein Ausbruch ihres Gefühls, ein Seufzer, ein Wort hat schon als Laut mehr die Bestimmung der Zeit an sich und ist mehr gegenwärtig auf ein Ver-schwinden hin und hat nicht so sehr die Gegenwart des Ewìgen in sich, wie ja denn auch ein Seufzer, ein Wort und so weiter die Kraft hat, der Seele zu helfen, loszuwerden, was auf ihr lastet, eben weil das Lastende, bloss ausgesprochen, schon gleich beginnt,
ein Vergangenes zu werden.

 
Kierkegaard ordnet dem Begriff Augenblick zwei sehr unterschiedliche Bedeutungen zu. Zum einenverwendet er ihn ohne weiteres für bedeutungslose Momente, zum andern hebt der Augenblick für ihn den Gegensatz von Zeit und Ewigkeit auf. lm Augenblick
sind Zeit und Ewigkeit für Kierkegaard eine Einheit, in der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft aufgehoben werden. Den Berührungspunkt von Zeit und Ewigkeit wollen wir uns einmal näher anschauen. Kierkegaard beschreibt das folgendermassen:
„Sollen hingegen Zeitund Ewigkeit einander berühren, so muss es in der Zeit sein, und
nun stehen wir beim Augenblick.“ Kierkegaard macht sich also Zeit und Ewigkeit im Augenblick als Ganzes, als Einheit bewusst. Er sagt nun, unsere Seele sei in dem Zeitverlauf gefangen. Dies ist so, weil die Seele frir ihn nur in der Zeit existiert. Über die Zeit hinausführenkann der Augenblick dann, wenn in ihm die Ewigkeit bewusst
erlebt wird. Doch leider ist die Art und Weise, wie der Augenblick erlebt wird, in letzter Konsequenz „nicht zu fassen, weil darin Unendlichkeit liegt“.

 

Unter den Philosophen ist Kierkegaard nicht der einzige, der den Menschen in einem solchen Dilemma sieht. Doch hat der Mensch im Kleinen die Möglichkeit, an dem schönen Augenblick doch teilzunehmen. Denn ein Augenblick hebt ja die Zeit auch auf. Kierkegaard bringt schliesslich den Augenblick mit der Asthetik in Zusammenhang, und dies vor allem in der Musik. Das Erlebnis durch die Musik nennt er „sinnliche Genialität“. Die Musik ist sozusagen ein Musterbeispiel für die schönsten Augenblicke. Und hier bleibt dem Menschen nichts verschlossen. Die Augenblicke der Musik sind von einer derartigen Unmittelbarkeit, dass sie keine Worte nötig hat. „Musik ist so  beschaffen, dass sie nicht in einem  einzigen Moment, sondern in einer Aufeinanderfolge von Momenten ist“.

 
So kann die Musik vielleicht auch ein Ausweg aus dem oben erwähnten Dilemma bieten. „Die Musik hat nämlich ein zeitliches Moment in sich, hat ihren Ablauf jedoch nicht in der Zeit ausser im uneigentlichen Sinn.“ Natürlich kann die Philosophie des Augenblicks eines solchen Denkers, wie Kierkegaard es ist, nicht in ein paar Zeilen abgehandelt
werden. Es bleibt ein kleiner Ausschnitt, ein Augen-Blick, den man vielleicht nutzen kann.


 

Augenblicke sinnlicher Genialität

Der Augenblick – ein ausgezeichneter Moment

Zeitschrift des Ordens der Schweizerischen Odd Fellows

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Odd Fellows Zeitschrift Nr. 6 November / Dezember 2019

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Der Augenblick – ein ausgezeichneter Moment / von Uwe Guntern

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Die Augenblicke in unserem Leben sind vielfältig. Gerne sprechen wir von Augenblicken des Glücks und gerne lassen wir uns vom Zauber eines Augenblicks einfangen. Auch das Leben kann, wie einige Mitmenschen erzählen, in einem Augenblick an uns vorbeiziehen. Platon bezeichnete den Augenblick als das Wunderliche, weil er sich zwischen Bewegung und Ruhe befindet.

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Kaum ist der Augenblick da, ist er auch schon wieder verschwunden Unser heutiges, tägliches Leben kann mit einem Rennen verglichen werden, bei dem nur der Sieg zählt. Da ist es nur verständlich, dass viele von uns das Bedürfnis haben, inne zu halten und die Zeit anzuhalten, um wieder etwas zu spüren, um wieder im Hier und Jetzt zu sein. Oder wie wir Odd Fellows es aus unseren Rituellen Sitzungen kennen, die Tür zu
schliessen und den Alltag mit seinen Sorgen draussen zu lassen, Dort, wo das Erlebnis des Augenblicks uns zur Ruhe kommen lässt, übt er auch eine gewisse Faszination auf uns aus. Der Augenblick zeichnet diese Erfahrung gewissermassen auf. Unsere
Erinnerung ist ein Speicher für jene Augenblicke, die uns bewegt haben, die uns emotional erreicht haben. Aber unsere Erinnerung kann trügerisch sein. Sie biegt sich
Vergangenes gerne zurecht. Vielleicht muss das sein, damit auch ein eígentlich trauriges Leben erträglich ist.

Der Augenblick ist denn aber auch ein besonderer Teil der Zeit, die bekanntermassen zu den grossen Unbekannten unseres Lebens gehört, aber auch ein grundsätzlicher Teil davon ist. Die Natur gibt uns unseren Tagesablauf vor. Sonnenaufgang und Sonnen-untergang bringen uns seit je her den Beginn und das Ende eines Tages, und darauf haben wir unser Leben ausgerichtet.

Genauso wie auf das Jahr. Und schliesslich war die Erfindung der Uhr und damit die Überprüfbarkeit der Zeit ein revolutionärer Einschnitt in die Existenz der Menschheit, Aber genügt das, um Zeit zu definieren? Um der Zeit näher zu kommen, schauen
wir uns einmal ihren vermeintlich kleinsten Teil an: den Augenblick. Und schon kommt die Frage auf, wie sollen wir den Augenblick erfassen, wie sollen wir uns ihm nähern?

Schauen wir uns doch einmal um, was so alles von Profis über den Augenblick gesagt wird, was ihn ausmacht, wie er sich bestimmen lässt. *

lm Augenblick ist nicht nur das Zeitgefühl ausser Kraft gesetzt, sondern auch die Moral, er ist das Geheimnis des Verführers. Der „Augenblick“ ist jener Ausbruch
sinnlichen Begehrens und Verlangens, der kein Davor und kein Danach, keine  Erinnerung und keinen Ausblick auf die Zukunft kennt. Sinnliche Liebe ist allein
im Augenblick da. (Konrad Paul Liessmann)

Der coup d’oeil ist das Vermögen, Unvorhersehbares augenblicklich, ohne kalkulatorische Überlegungen zu durchdringen, die angemessenen Schlüsse zu ziehen
und entsprechend zu handeln. Dem „lch denke, also bin ich“ des Descartes setzt  Bredekamp ein „ich sehe, also denke ich“ entgegen. (Horst Bredekamp)

Wenn ich mit jemandem spreche, dann ist mein eigenes Reden zeitlich gegliedert, wir teilen eine gemeinsame zeitliche Bühne. Was es in mir denkt, das denkt es im andern,
der andere wird zum Du. lm Gespräch wird ein verdoppeltes Bewusstsein gewonnen, aber eine gemeinsame Gegenwart gibt es nur, wenn jeder seine ldentität behält. (Ernst Pöppel)

Der Augenblick ist eine Sandbank im Fluss der Zeit, er ist dem „Früher“
und „Später“ entrissen. lm Augenblick vollendet sich, was gewesen
ist, und erfüllt sich, was erwartet wurde, es gibt kein „Nicht mehr“ und kein „Noch nicht“, er ist Erlösung von der Zeit, ist Ewigkeit light. (Andreas Luckner)

 

Zeit ist nicht nur etwas vom Bewusstsein Produziertes, Zeit „ist“ objektiv!(Gerhard Seel)
Wir dürfen die Gegenwart nicht für ein Jenseits preisgeben und nicht so leben, „als ob“ am Ende Leben und Erfüllung sei. Existieren heisst, im vollen Bewusstsein der
eigenen Endlichkeit zu leben. Die Gewissheit des Todes ist produktive Lebenskraft. (Gudrun Kühne- Bertram)

lm Einbruch des Zufalls in die Welt zeigt sich ein nicht einschliessbarer
Rest, der sich jeglicher lnterpretation und jeglicher Sinnzuschreibung entzieht. Dieser
nirgends zu beherbergende Überschuss gibt den Blick frei auf das Reale, sprich auf das Ereignis jener Gegenwart, die übrig bleibt, wenn wir alle lnterpretationen abziehen. (Dieter Mersch)

 
Hingabe an das Seiende und der Fluss der Zeit sind keine Gegensätze. Konkret w¡rd das Sein erst durch die Eindämmung der einen beständig wie aus dem Nichts überfallenden Gedankenflut in der buddhistischen Übungspraxis in der Sitzmeditation und in der
vollkommenen und ausschliesslichen Konzentration auf die Tätigkeiten, die man im jeweiligen Augenblick ausübt. (Ryosuke Ohashi)

 
Unsere Beziehung zu den Dingen ist mehr als nur eine der Sinnzuschreibung. Trotz unserer alltäglichen wie geisteswissenschaftlichen Konzentration auf lnterpretation
und Sinn sollten wir nicht vergessen, dass die Dinge der Welt, so wie wir auf sie stossen,
auch eine – in unserer Kultur fast immer übersehene – Präsenz haben. (Hans Ulrich Gumbrecht)

 
Der Augenblick als „Jetzt“ wird ausgezehrt von Vergangenheit und Zukunft zum ausdehnungslosen Punkt. Dem gegenüber steht das Bewusstsein da zu sein
in mitgehender Präsenz leiblichen Spürens. (Gernot Böhme)

 

Ein Selbst ist nicht ohne den Leib und den Leib des anderen zu haben: Präsenz als gesteigerte Form von blosser Anwesenheit und Gegenwärtigkeit „ist eine Qualität, dìe ausschliesslich an einem anderen Menschen gespürt werden kann, zugleich aber Rückwirkung auf das eigene Gefühl des ln-der-Welt-Seins hat“. (Erika Fischer-Lichte)

Unsere Uhren können also einen Augenblick erfassen, und dies nicht, weil er nur kurz andauert. Er ist eben nicht einfach ein Zeitpunkt. Ein Augenblick verläuft eben nicht für alle gleich, so wie eine Minute für alle 60 Sekunden dauert. Und da er individuell ist,
ist er erlebbar. Er nimmt sozusagen von uns Besitz, wird zu unserer Erfahrung.
Für Goethe hat ein solcher Moment eine bestimmte Schönheit. lm Faust sagt daher die Titelfigur über den Augenblick: „Verweile doch, du bist so schön.“ Denn letztendlich geht es bei der Wette mit dem Teufel um nichts anderes als um den erfüllten Augenblick.
Rufen wir uns die Szene kurz ins Gedächtnis. Faust, bereits erblindet und vom Teufel hintergangen, ist der Meinung, dass ein Sumpf trocken gelegt wird, um für sein Volk Land zu gewinnen. Tatsächlich aber wird sein Grab geschaufelt. Der Moment der
Wette steht kurz bevor, als Faust die Worte spricht:

Werd ich zum Augenblicke sagen: Verweile doch! du bist so schön! Dann magst du mich in Fesseln schlagen, Dann will ich gern zugrunde gehn! Dann mag die Totenglocke schallen, Dann bist du deines Dienstes frei, Die Uhr mag stehn, die Zeiger fallen, Es sei die Zeit für mich vorbei.

Die Asthetik des Augenblicks kommt daher, weil sie alle unsere Hoffnungen, Träume und Enttäuschungen berührt. Und schliesslich ist das, was den Augenblick ausmacht, seine Einmaligkeit in seiner Flüchtigkeit. Er ist nicht auf Kommando verfügbar. Je mehr
man auf den schönen und perfekten Augenblick wartet, desto ferner ist er uns. Und ist er dannwirklich da, ist er zukurz, um ihn zu erfassen.

Der Augenblick selbst bleibt trotzdem oder gerade deswegen ein ausgezeichneter  Moment, in dem uns die Ewigkeit begegnen kann. So sollten wir ihn wertschätzen
und geniessen, dann wenn er stattfindet. Denn man spricht auch davon, den richtigen Augenblick zu verpassen. Oft wissen wir deshalb gar nicht, wie wichtig ein
Moment sein kann. Goethe hat daher auch vor der Gedankenlosigkeit gewarnt, die uns den Wert des Augenblicks vergessen lässt. Sicher ist, dass der Augenblick ein Teil der Zeit ist und gleichzeitig aus unserem zeitlichen Rahmen fällt, weil er sich nicht mit der Uhr messen lässt. ln diesem Sinne ist der Augenblick ein Überwinder der Zeit.

* Die Zitate stammen aus dem Journal für Philosophie „Der blaue Reiter, Ausgabe
31“ zum Thema „No Future! Philosophie des Augenblicks“

 


 

Der Augenblick – ein ausgezeichneter Moment